Geschichte

Weibersbrunn – ein ehemaliges Glashüttendorf

Weibersbrunn an der BAB A 3 mitten im Herzen des Hochspessarts gelegen ist eine relativ junge Gemeinde, deren Gründung im Zusammenhang mit der früheren Glasherstellung im Spessart zu sehen ist. Die Kurmainzische Spiegelmanufaktur mit Betrieben in Lohr und Rechtenbach errichtete 1706 eine weitere Glashütte im Spessart. Mit der Standortbestimmung wurde der Ort Weibersbrunn gegründet.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass an dieser Stelle schon vor diesem Zeitpunkt Menschen siedelten. Auf der ältesten Spessartkarte von Paul Pfinzing von Henfenfeld d. Ä. befindet sich genau an der Stelle von Weibersbrunn die Bezeichnung „Weiler Pron“.

Mit dem Aufbau der Glashütte beauftragte die Kurmainzische Spiegelmanufaktur den Franzosen „Guillaume Brument“. Er war die entscheidende Persönlichkeit für die fast ein Jahrhundert lang bestehende Kurmainzische Spiegelmanufaktur, die er bis zu seinem Tode 1759 leitete. Ihm hatte der Betrieb seinen Weltruhm zu verdanken. Begonnen wurde mit der Tafel- und Hohlglasproduktion, später wurde auch Mondglas hergestellt. Die Glashütte war damals mit einem Industriebetrieb der heutigen Zeit vergleichbar, so dass sich neben den in der Glashütte Beschäftigten mit ihren Familien auch Handwerker usw. ansässig machten. Der Ort wuchs relativ rasch, wodurch sich die hieraus ergebenden Probleme, wie Schulhaus, Kirche usw., gelöst werden mussten.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein kam dem jeweiligen Hüttenmeister auch die Rolle des Ortsvorstehers zu. Am 19. Oktober 1716 wurde der Name „Weyberbrunn“ erstmals im Kopulationsbuch der Pfarrei Rothenbuch erwähnt, welche anfänglich die seelsorgerische Betreuung der Bewohner von Weibersbrunn sicherstellte.

Bei einer Volkszählung am 21.05.1717 zählte Weibersbrunn 83 Personen.

1764 wurde Weibersbrunn eine eigene Pfarrei und die Kurmainzische Landesdirektion erlaubte die Erbauung eines Pfarrhauses. Der Pfarrer von Weibersbrunn war gleichzeitig auch für Lichtenau und Rohrbrunn zuständig.

1784 wurde Lichtenau wieder mit der Pfarrei Rothenbuch vereint. 1806 wurde das erste Schulhaus „unterm Pfarrhaus am Berg“ bezogen.

Weibersbrunn gehörte von der Gründung 1706 bis zur Auflösung des Kurstaates im Zuge der Säkularisation 1803 zum Oberstift Aschaffenburg des Kurfürstentums Mainz. Danach zu den wechselnden Staatsgebilden Karl Theodor von Dalbergs, bis es 1814 mit dem Fürstentum Aschaffenburg an die Bayerische Krone kam.

1837 wurde die frühere alte Schule an der Posthohle errichtet. Sie musste mittlerweile der Friedhofserweiterung weichen.

Der Glashüttenbetrieb war einer wechselvollen Geschichte unterworfen. Das Ende der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur nach 1800 bedeutete auch das langsame Aus für die Glasproduktion in Weibersbrunn. Als letzter Betrieb der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur, Rechtenbach war 1791 und Lohr 1803 aufgegeben worden, wurde die Glashütte Weibersbrunn 1805 versteigert.

Auch die nachfolgenden Besitzer und eine zeitweise Übereignung an die Arbeiter konnten 1861 die Schließung der Glashütte nicht aufhalten.

1862 verkaufte der letzte Besitzer das Hüttengelände an die Kirchenverwaltung für einen Kirchenneubau.

Mit dem Kirchenneubau wurde sofort begonnen. Die Fertigstellung erfolgte 1864.

Kurz darauf wurde die alte Kapelle am Friedhof, welche 1755 errichtet worden war, abgetragen.

Im Jahre 1852 bezeichnete der Arzt und Sozialpolitiker Rudolf Virchow, Weibersbrunn als den ärmsten Ort im Hochspessart, was im Zusammenhang mit der rückläufigen Glasproduktion und fehlenden Verdienstmöglichkeiten am Ort zu sehen ist.

Am 01. November 1887 zogen Schwestern vom Kloster Maria Stern zu Augsburg in das neu errichtete Schwesternhaus mit Mädchenschule und Kinderbewahranstalt ein, welches derzeit zu einem Heimatmuseum umgebaut wird. Die Schwestern waren bis 1991 in Weibersbrunn tätig. Sie machten sich nicht nur im Kindergarten und Schuldienst, sondern auch in der Krankenpflege verdient.

979 Einwohner in 193 Haushalten zählte Weibersbrunn im Jahre 1900. 

Am 12. Dezember 1913 wurde das Schulhaus an der Jakob-Gross-Straße eingeweiht. In diesem Gebäude sind heute das Rathaus und ein Kindergarten untergebracht.

Die erste Glühbirne erstrahlte in Weibersbrunn 1920. Die Wasserleitung wurde 1927 gebaut.

Nach dem Niedergang der Glashütte gab es in Weibersbrunn keinen Industriebetrieb mehr, welcher Beschäftigungsmöglichkeiten bot. Landwirtschaft wurde meist im Nebenerwerb betrieben. Verdienstmöglichkeiten gab es vor allem im Staatsforst. Somit musste außerhalb von Weibersbrunn nach Arbeit gesucht werden. Hierdurch kamen viele Weibersbrunner als Bauarbeiter in die Fremde.

Mit dem Anschluss an die neu gebaute Autobahn A 3 Frankfurt-Würzburg kam 1959 der Aufschwung. Der damalige Bürgermeister und spätere Altbürgermeister Karl Benz sprach damals vom Anschluss an die große weite Welt. Mit der Besserung der wirtschaftlichen Lage floss Geld in das Dorf. Die Erschließung neuer Baugebiete wurde notwendig.

Die steigende Einwohnerzahl machte eine neue Schule erforderlich, welche im September 1970 bezogen wurde. 1971 folgte die Inbetriebnahme der Schwimm- und Turnhalle. Das Schwimmbad ist seit einigen Jahren geschlossen. Die notwendige Sanierung ist aus finanziellen Gründen derzeit nicht absehbar. Die Turnhalle wurde in den letzten Jahren renoviert.

In der Amtszeit von Erich Noll von 1970 - 2002 wurde u. a. eine Vielzahl von Einrichtungen der Daseinsvorsorge neu gebaut oder renoviert. Beispielhaft werden hier das 1982 eingeweihte Feuerwehrgerätehaus, die neue Kläranlage, der neue Hochbehälter und der im Herbst 1993 in Betrieb genommene zweite Kindergarten am Rothenbucher Weg genannt.

Bei den Kommunalwahlen 2002 wurde der bisherige Gemeindekämmerer Herbert Rüppel zum berufsmäßigen 1. Bürgermeister gewählt. Er trat die Nachfolge von Erich Noll an, welcher nach 32-jähriger Amtszeit in den Ruhestand ging und zum Altbürgermeister ernannt wurde. 

Bei einer relativ kleinen Gemarkungsfläche von rd. 289 ha, zählte Weibersbrunn einschl. Rohrbrunn zum 31.12.2001 2.145 Einwohner in 815 Wohnungen. Im Ort bestehen nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach wie vor ist Weibersbrunn vor allem eine „Pendlergemeinde“.

Verbunden mit der Geschichte von Weibersbrunn ist das zur Gemeinde gehörende Rohrbrunn. Es ist vor allem durch das ehemalige Wirtshaus, welches dem Autobahnbau weichen musste und durch den Film das „ Wirtshaus im Spessart“ Berühmtheit erlangte sowie das ehemalige Wittelsbachische Jagdschloss Luitpoldhöhe vor allem aber durch die heutigen Rasthäuser und Tankstellen an der Autobahn bekannt. Das Jagdschloss Luitpoldhöhe, erbaut 1889, war Sitz des Prinzregenten Luitpold, wenn er zwischen 1886 und 1911 zur Jagd im Spessart weilte. Durch seine Jagdaufenthalte hatte er Kontakt mit der hiesigen Bevölkerung und leistete auch finanzielle Unterstützung.

Die bisherigen Ortsvorsteher, Schultheiße, Gemeindevorsteher und Bürgermeister von Weibersbrunn:

1714 – 1762 Kaspar Amrhein, Hüttenmeister

1762 – 1786 Johann Adam Amrhein, Hüttenmeister

1786 – 1796 Johann Salg, Hüttenmeister

1796 – 1808 Johann Jakob Amrhein, Hüttenschreiber, ab 1805 Hüttenmeister

1809 – 1812 Georg Adam Rung, Schultheiß/Maire

1833 – 1853 Amrhein

1853 – 1866 Franz Benz

1866 – 1873 Ruppert

1873 – 1875 Franz Amrhein

1875 – 1879 Adam Roth

1879 – 1899 Franz Rüppel

1900 – 1911 Vinzenz Benz

1911 – 1919 Michael Noll

1919 – 1937 Nikolaus Amrhein

1937 – 1939 Adam Amrhein

1939 – 1945 Wilhelm Salg

1945 – 1948 Ignaz Staudter

1948 – 1970 Karl Benz

1970 – 2002 Erich Noll

seit 01.05.2002 Herbert Rüppel

Alles Wissenswerte über den Ort Weibersbrunn einschließlich Rohrbrunn können Sie in der 1995 herausgegebenen Ortschronik, welche über die Gemeinde Weibersbrunn zum Preis von 46,-- Euro bezogen werden kann, nachlesen.

Zusätzliche Informationen

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